"Wenn jemand deine Unterstützung braucht und du ihm helfen kannst, dann weigere dich nicht." (Spr 3, 27)Wie ist das wohl als dunkelhäutige Deutsche in Namibia? Obwohl mein Vater aus Nigeria kommt, war der Missionseinsatz in Namibia meine erste Reise nach Afrika! Ich hatte viel hin- und herüberlegt, ob der Einsatz finanziell überhaupt möglich ist, doch dann hat Gott alles so super in die Wege geleitet, dass es für mich doch eindeutig war, dass Er mich dort haben wollte. Viele haben mich gefragt, ob ich in Namibia zu meinen Wurzeln zurückgekehrt bin. Doch ich muss sagen, dass es nicht so war! Zu Beginn fühlte auch ich mich total fremd, obwohl ich von der Hautfarbe her nicht auffiel. Auch die Leute dort waren immer sehr erstaunt, dass ich kein Afrikaans spreche und Deutsche bin. Und es war anfangs auch so, dass ich mich nicht sicher fühlte, wenn ich alleine durch die Straßen lief, meine DigiCam auf der Straße auspackte oder meinen Geldbeutel an der Kasse zückte. Außerdem war es auch für mich absolut ungewohnt und zu Beginn anstrengend auf der Straße so oft angesprochen zu werden, von den Taxifahrern auf dem Weg nach Windhoek fast ins Auto gezerrt zu werden oder die Händler auf dem Wood Market in Okahandja nicht mehr abschütteln zu können. Aber es war eine bereichernde Zeit und ich würde sie nicht missen wollen! Am Anfang war es anstrengend in der Arche seine Rolle zu finden. Wer ist man unter den anderen Volontären und vor allem auch für die Kinder? Einerseits sollte man mit den Kindern keine sehr innige Beziehung eingehen und doch wollte man ja auch Ansprechpartner sein und ein gutes Verhältnis zu den Kids haben! Und eigentlich war ich ja auch mit der Absicht gekommen, Gott zu dienen und den Menschen in Namibia ein Segen zu sein. Aber war das in nur vier Monaten überhaupt möglich? Ich habe es anfangs sehr bezweifelt und erst auf dem Rückflug vier Monate später festgestellt, dass Gott mich doch gebraucht zu haben schien! Das hat mich total bewegt und ich war Gott echt dankbar! Die Zeit in Okahandja war insgesamt nicht einfach und gleichzeitig doch wunderschön! Da bei uns keine Hauseltern in der Arche waren, haben wir Volontäre viele Kämpfe mit den Kids ausgestanden! Kämpfe ums Zähne putzen am Abend, Tränen und Wut beim Klamotten aussortieren der Girls, hartnäckiges Schweigen und völlige Verweigerung während der study time... Doch gerade dadurch war man dann schneller Bezugsperson als ich anfangs dachte. Einmal wurde ich als erste nachts von den Girls geweckt, als eine einen Asthmaanfall hatte und ins Krankenhaus musste. Auch konnte ich mit der Zeit doch viel von meinem Glauben erzählen und mit den älteren Girls aus meiner Bible study über Gottes Plan für unser Leben diskutieren. Und ich hatte die Möglichkeit für eine der Mädels da zu sein als sie in Tränen ausbrach und mich fragte, warum Gott zulässt, dass sie HIV-positiv ist! Für all die Kämpfe und schwierigen Zeiten, die es gab, gab es noch mehr schöne und intensive Zeiten! Und jetzt, da ich wieder zu Hause bin, vermisse ich die afrikanische Offenheit der Menschen! Ich würde gerne mal wieder im Supermarkt stehen und mit einer der Angestellten an der Kasse in ein Gespräch verwickelt sein oder von einem der Beamten am Road block einen Heiratsantrag bekommen (den ich dann dankend und lächelnd abgelehnt habe :-). Und ich vermisse die Ruhe und das Zeitempfinden der Afrikaner. In Namibia habe ich es manchmal als total anstrengend empfunden. Mittlerweile würde ich es schätzen, wenn sich die Leute in Europa auch immer wieder mehr Zeit nehmen würden. Und natürlich vermisse ich die anderen Volontäre. Die Abende, an denen wir abends zusammen gesessen sind und uns über den stressigen Tag, die Kids, die Regeln und Gott und die Welt unterhalten haben. Die genialen Ausflüge, die wir gemeinsam gemacht haben und dabei immer total viel Spaß hatten. Die Tage, an denen wir uns gegenseitig in den Arm genommen und zusammen gebetet haben, weil Tränen geflossen sind. Die Momente, an denen wir uns ums Telefon oder Internet "gestritten" haben, weil jeder einen Anruf erwartet. Und dann war da noch mein intensivstes Weihnachten bisher, an dem ich mit den anderen Volontären zusammen gebetet und gesungen habe und mir wirklich bewusst wurde, was dieses Fest eigentlich bedeutet. Vor allem aber vermisse ich die Kids, die einen einfach so in den Arm genommen haben. Deren Lachen und Gezeter durch die Gänge getönt ist. Die es geliebt haben, zu tanzen und zu singen. Die, trotz dass sie schon so viel in ihrem Leben durchgemacht und gesehen haben versuchen Gott zu vertrauen und es wagen große Träume zu haben. Die sich gegenseitig unterstützt haben, wenn es dem anderen nicht so gut ging. Und deren Gebete gezeigt haben, dass sie Gott auch die kleinen Dinge anvertrauen. Die Zeit in Namibia war wirklich keine immer leichte und schöne Zeit. Und auch war mir dort immer bewusst, dass Gott mich auf lange Sicht doch in Deutschland haben und gebrauchen will. Aber es war eine von Gott geschenkte Zeit, die mir viel beigebracht hat, mich hat wachsen lassen und die mir nochmal eine ganz neue Liebe für das Land und die Menschen dort gegeben hat. Und dafür bin ich Gott einfach dankbar! Tosin Borisade
mit "Christ's hope" in Namibia |